Schlaflage

Bereits in ersten Veröffentlichungen in den 70er Jahren, verstärkt jedoch seit den 80er Jahren, wird in der internationalen Literatur über Beobachtungen berichtet, daß Säuglinge, die in Bauchlage schlafen, ein erhöhtes SIDS-Risiko aufweisen. Die mittlerweile zahlreichen Studien zur Bauchlage wurden von uns nach den Methoden einer Meta-Analyse gesichtet, die Einzelergebnisse graphisch dargestellt (Abbildung 1) und die Effektschätzer (Odds Ratio) der Einzelstudien nach dem Mantel-Haenszel-Verfahren zu einem Gesamtschätzer zusammengefaßt.

Insgesamt 19 in der Literatur veröffentlichte Studien konnten in die Meta-Analyse einbezogen werden, wobei die frühesten Studien ihre Ergebnisse zur Bauchlage häufig nicht als zentrale Erkenntnisse darstellen. In Abbildung 1 ist in einer halblogarithmischen Skalierung für jede Studie die Odds Ratio (Raute) als Schätzer des Relativen Risikos zusammen mit ihrem 95%-Konfidenzintervall (Balken) graphisch dargestellt. Trotz z. T. erheblicher Variationen zwischen den Einzelstudien errechnet sich über alle 19 Studien ein Relatives Risiko von 3,5 mit einem sehr schmalen 95%-Konfidenzintervall von 3,16 bis 3,88 (grauer Bereich). Das bedeutet, daß Kinder, die in Bauchlage schlafen, ein 3,5mal so hohes SIDS-Risiko tragen wie Kinder, die nicht in Bauchlage schlafen.


Abbildung 1: Meta-Analyse von 19 veröffentlichten Studien zum Zusammenhang zwischen Bauchlage und Plötzlichem Säuglingstod (MH = Mantel-Haenszel-Verfahren, 95%CI = 95%-Konfidenzintervall).


Diese weitgehende Übereinstimmung zwischen allen Studien deutet sehr stark darauf hin, daß der Zusammenhang zwischen Bauchlage und SIDS mit hoher Sicherheit kein Artefakt ist, sondern in der Ätiologie des Plötzlichen Säuglingstodes eine bedeutende Rolle spielt. Dabei ist es zunächst unerheblich, über welchen biologischen Mechanismus Bauchlage und SIDS assoziiert sind, solange mit diesen Ergebnissen ein beeinflußbarer Risikofaktor bekannt ist, über den die Inzidenz des Plötzlichen Säuglingstodes verringert werden kann. Inzwischen sind in vielen Ländern öffentliche Interventionskampagnen durchgeführt worden, um die Prävalenz der Bauchlage als bevorzugte Schlaflage von Säuglingen zu senken. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen wurde in wissenschaftlichen Studien untersucht [z.B. Ponsonby 1984] und eine deutliche Reduktion der Bauchlagen-Prävalenz belegt. Mit dem Rückgang der Bauchlage wurde ein gleichsinniger, erheblicher Rückgang der SIDS-Inzidenz um 50% und mehr in verschiedenen Ländern beobachtet [Spiers 1994, Gilbert 1994]. Auch in Deutschland ist die Inzidenz des Plötzlichen Säuglingstodes auf deutlich unter 1 pro 1000 Lebendgeborene gesunken.


Schlaud M. Epidemiologie des Plötzlichen Kindstods (SID). In: Saternus K-S, Karimow S (eds). Säuglingssterblichkeit, Plötzlicher Kindstod (SID). Lübeck: Schmidt-Römhild; 1998.

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