Vermeidbare Fälle

Aus dem Relativen Risiko und der Prävalenz des Risikofaktors in der Bevölkerung kann das relative zuschreibbare Risiko (Attributable Risk Percent, AR%) berechnet werden. Das AR% beschreibt den Anteil der SIDS-Inzidenz, der auf den Risikofaktor zurückzuführen ist, mithin also verhindert werden könnte, würde der Risikofaktor eliminiert. Das relative zuschreibbare Risiko unter den Exponierten (AR%) und in der Bevölkerung (PAR%) ist in Tabelle 2 wiedergegeben, wobei die Prävalenz der Risikofaktoren unter den Kontrollen als valider Schätzer der Prävalenz in der Bevölkerung herangezogen wurde. Danach sind 58% der SIDS-Inzidenz in der Gruppe der rauchenden Mütter auf das Rauchen zurückzuführen und unter der Annahme eines Kausalzusammenhangs zu verhindern, würde in dieser Subpopulation während der Schwangerschaft nicht mehr geraucht. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung könnten nahezu 30% aller SIDS-Fälle verhindert werden, wenn keine Schwangere mehr rauchen würde. Bei geschätzten 750 SIDS-Fällen im Jahre 1995 in der Bundesrepublik Deutschland wären also 210 Fälle zu vermeiden gewesen.

Ebenfalls unter der Annahme eines kausalen Zusammenhangs wären durch die Erhöhung der Inanspruchnahme von Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen auf über acht Untersuchungen in der Gruppe von Frauen mit mangelnder Vorsorge 41% der SIDS-Fälle zu verhindern, auf Bevölkerungsebene immerhin noch 10%. Eine Verringerung der Prävalenz jedes der untersuchten Risikofaktoren hätte somit deutliche Auswirkungen auf die Inzidenzrate des SIDS, der im Säuglingsalter häufigsten Todes-"Ursache".


Tabelle 2: Mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft, Anzahl Schwangerschafts-vorsorgeuntersuchungen und Risiko des Plötzlichen Säuglingstodes: Odds Ratios, Prävalenz des Risikofaktors, relatives zuschreibbares Risiko unter den Exponierten (AR%) und in der Bevölkerung (PAR%).

Risikofaktor   Odds Rato Prävalenz AR% PAR%
Rauchen in der Schwangerschaft* nein 1,0 72,3% (Referenz) (Referenz)
ja 2,4 27,7% 58% 28%
Anzahl Vorsorgeuntersuchungen > 8 1,0 85,5% (Referenz) (Referenz)
0 - 8 1,7 14,5% 41% 10%

*) adjustiert für Geburtsgewicht, Alter der Mutter, Sozialstatus, Nationalität.
†) adjustiert für Geburtsgewicht, Alter der Mutter, Sozialstatus, Nationalität und Rauchen in der Schwangerschaft.

Schlaud M. Epidemiologie des Plötzlichen Kindstods (SID). In: Saternus K-S, Karimow S (eds). Säuglingssterblichkeit, Plötzlicher Kindstod (SID). Lübeck: Schmidt-Römhild; 1998.

« zurück                                                                                             weiter »