Prä- und perinatale Risikofaktoren

Als wesentliche Risikofaktoren während der Schwangerschaft gelten insbesondere das Rauchen und die mangelnde Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen als gesichert. Wir führten eine Fall-Kontroll-Studie durch [Poets 1995, Schlaud 1996], in der Perinataldaten der Perinatologischen Arbeitsgemeinschaft Nieder-sachsen (PAG) von 190 SIDS-Fällen mit denen von 5920 Kontrollen anonym verglichen wurden. Die SIDS-Fälle waren zwischen 1986 und 1990 im Alter von mindestens sieben Tagen in Niedersachsen gestorben und durch Obduktion im Institut für Rechtsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover gesichert. Die Kontrollgruppe bestand aus einer Zufallsstichprobe von Datensätzen der PAG, die folgenden Bedingungen genügen mußten: (a) kein bekannter SIDS-Fall und (b) keine dokumentierte Gesundheitsstörung, bei der die Sicherung eines SIDS nicht eindeutig möglich wäre. Die Verteilung der Geburtsjahre der Kontrolle entspricht denen der Fälle (frequency matching). Die Datenauswertung erfolgte mittels logistischer Regressionsanalyse. Die so ermittelten Odds Ratios sind Schätzer des Relativen Risikos. Das Relative Risiko gibt an, um welchen Faktor sich das SIDS-Risiko exponierter von dem nicht exponierter Kinder unterscheidet.

Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 wiedergegeben. Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht hatten, tragen das knapp 2,5fache SIDS-Risiko von Kindern, deren Mütter während der Schwangerschaft nicht geraucht hatten. Mit zunehmendem durchschnittlichem Zigarettenkonsum pro Tag während der Schwangerschaft konnte eine konsistente Zunahme des relativen Risikos für SIDS beobachtet werden. Alle Ergebnisse sind statistisch signifikant und kontrolliert für Geburtsgewicht, Alter der Mutter, Sozialschicht und Nationalität. Auch eine niedrigere Anzahl von Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen war mit einem erhöhten SIDS-Risiko assoziiert: Gegenüber der Referenzgruppe von Kindern, deren Mütter mehr als acht Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen hatten, zeigte sich nach vier bis acht Untersuchungen ein Relatives Risiko von 1,6, und für null bis drei Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen betrug das Relative Risiko 2,9.


Tabelle 1: Adjustierte* Odds Ratios und 95%-Konfidenzintervalle (95%CI) für den Zusammenhang zwischen mütterlichem Rauchen in der Schwangerschaft  und Plötzlichem Säuglingstod.

Risikofaktor  

n

Odds Ratio* 95%CI
Rauchen in der Schwangerschaft nein 3400 1,0 (Referenz)
ja 1357 2,4 1,71 - 3,36
Durchschnittlicher Zigarettenkonsum pro Tag 0 3400 1,0 (Referenz)
1 - 10 976 2,1 1,43 - 3,04
11 - 20 337 2,8 1,75 - 4,60
> 20 44 6,5 2,70 - 15,50

*) adjustiert für Geburtsgewicht, Alter der Mutter, Sozialstatus, Nationalität

Schlaud M. Epidemiologie des Plötzlichen Kindstods (SID). In: Saternus K-S, Karimow S (eds). Säuglingssterblichkeit, Plötzlicher Kindstod (SID). Lübeck: Schmidt-Römhild; 1998.

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