Definition

Unter dem Plötzlichen Säuglingstod versteht man definitionsgemäß den plötzlichen und unerwarteten Tod eines Kindes, der sich weder aus der Anamnese noch aus der Obduktion erklären läßt. Die aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum stammende Abkürzung "SIDS" für Sudden Infant Death Syndrome hat sich international als Bezeichnung für das beschriebene Phänomen durchgesetzt. Gemäß der Definition der zweiten internationalen Konferenz in Seattle im Jahre 1969 [Bergmann 1970] versteht man unter SIDS:

The sudden death of any infant or young child which is unexpected by history, and in which a thorough post-mortem examination fails to demonstrate an adequate cause of death.

Zur Abgrenzung von plötzlichen Todesfällen im höheren Lebensalter wurde diese Definition 1993 auf der 13. Tagung der International Association of Forensic Sciences in Düsseldorf erweitert um den Zusatz:

Sudden death in infancy occurring in close temporal association with sleep and lacking explanation after post-mortem investigation.

Die meisten Autoren beziehen alle SIDS-Fälle im Alter von acht Tagen bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres in ihre Untersuchungen ein, wenn auch von einigen Forschergruppen ältere Kinder bis zur Vollendung des zweiten oder dritten Lebensjahres unter dem Begriff SIDS subsumiert werden. Allen Fällen gemeinsam ist jedoch eine leere Anamnese und eine unergiebige Obduktion. Damit wird das SIDS zur Ausschlußdiagnose.


Schlaud M. Epidemiologie des Plötzlichen Kindstods (SID). In: Saternus K-S, Karimow S (eds). Säuglingssterblichkeit, Plötzlicher Kindstod (SID). Lübeck: Schmidt-Römhild; 1998.